19 juni 2010 22:31

Belgrad

Beograd!

Wir stehen in der Hauptstadt Serbiens. Alles ist hier größer, schneller und dynamischer als sonst irgendwo in Serbien. So wie eine Hauptstadt seien soll? Auch während dieser Reise geht der Zirkus auf jeder location wieder los, so auch in Belgrad. Es ist schön hier ein paar Tage an unserem Campingplatz zu bauen. Die erste Übernachtung vor dem Sava Center war prima aber etwas einfach: keine Dusche, keine Toilette, kein fließend Wasser und kein Schatten. Sobald wir telefonisch „den besten Platz der Stadt“ angeboten kriegen, brechen wir gleich auf.

Caravan in BelgradoIn einer Viertelstunde fährt das telefonisch bestellte Auto mit Anhängerkupplung vor. Der Fahrer, der weder Englisch noch Deutsch spricht, bringt uns etwas außerhalb der Stadt an einem Platz bei einem großen See. Wir kuppeln unser Haus ab und danken dem Fahrer. Es gibt Gewitter und Regen. Die Esja Regenjacke kommt zum ersten Mal aus der Tasche. Wir laufen etwas verstreut über den Platz. Es ist Abend und wir haben keine Ahnung wo wir eigentlich hingefahren worden sind. Ein paar Kioske, ein Fitnesszentrum, eine Kegelbahn, eine Dusche im Freien und ein Restaurant gibt aber Licht im Grau. (Ebenfalls) gibt es einen Fahrrad Verleih, der Tag und Nacht geöffnet hat. Das ist für uns aber ein kleines Glück, da wir so spät hierher gekommen sind. Ein freundlicher Kellner erklärt dass wir auf Ada Cijangala, ein Rekreations- und Sportgebiet sind. Normalerweise darf man nicht bei Ada übernachten, aber unser Schutzengel Biljana aus Novi Sad kennt viele Leute. Dieser Platz als Standort ist einfach super.

Am nächsten Tag sehen wir dass der Fahrradweg zum Zentrum durch das Hochwasser der Donau überflutet worden ist und wir müssen deswegen über die Autobahn zum Zentrum fahren. Das ist nicht ohne Gefahr. Ein Brunnen ohne Deckel, Löcher im Fahrweg und viel Verkehr -das hupt und –üghe üghe – rast. In diesen Tagen haben wir ein volles Programm. Wir besuchen die Niederländische Botschaft, wir haben ein Interview mit dem Fernsehen vor dem Wohnwagen und ein Interview mit Radio Beograd. Unsere Gastgeberin, Katarina Epstain, heißt uns herzlich willkommen in einem sehr kommunistisch ähnelndem Gebäude. Dort sitzen wir eine Stunde zusammen mit Katarina und dem Organisator des Summertime Festivals. ‚Unterwegs’ wird live über das serbische Radio gespielt und wir haben ein sehr gutes Gespräch. Sehr außergewöhnlich.

Servië speelt op WK VoetbalAuch besonders ist es das heutiges WM-Match Serbien-Deutschland zu sehen. Überall sind großen Flatscreens installiert worden. Die Kneipen sind übervoll. Die Atmosphäre ist aufregend. Als während der erste Hälfte Serbien einen Tor schießt, jubelt die ganze Stadt, als Deutschland nachher einen Elfmeterschöß verschießt jubeln sie genau so laut. Als Serbien 1-0 gewinnt feiert Belgrad wie wahnsinnig. Autos mit serbischen Flaggen fahren hupend durch die Straße. Jeder gratuliert Jedem. Komischerweise werden Peter und ich von der Straße geholt für eine Reaktion auf das Match für das serbische Fernsehen. Abends sehen wir uns in den serbischen Nachrichten.

Wir haben Darko Stanimirovic, ein Fotograf aus Belgrad, über Twitter kennen gelernt. Er lädt uns zum Abendessen ein, und ja: Balkan Grill. Dann nimmt er uns mit nach Grad, ein junges und modisches kulturelles Zentrum, dass u.a. durch Felix Merit aus Amsterdam realisiert worden ist. Ein guter DJ legt auf, aber vielleicht wichtiger für unsere Reise, es gibt hier Wifi. Bloggen mit Ohrstöpsel ist eine neue Erfahrung, während der Beat und Basstonen durch meine Hosenbeine pumpen.

Die Rückfahrt ist ebenfalls ein neues Erlebnis. Als wir nachts wieder auf dem Fahrrad, nach einem vollen Tag von Interviews und Begegnungen, mit Laptoptaschen und Gitarre über die Autobahn
fahren, sehen wir auf dem Mittelsteifen vier große Hunde. Dann springen sie auf und rennen uns laut bellend und knurrend hinterher. Wir haben Glück das es noch mehr Verkehr gibt, so dass die Hunden nicht nah an uns ran kommen können, sonst wäre es nicht gut weitergelaufen mit uns. Auf einmal kann ich es mir lebendig vorstellen wie es sein müsste von einem Rudel Wolfen angegriffen zu werden. Zum Glück liegt Dachs in seinem Körbchen im Wohnwagen. Belgrad darf also größer, schneller und dynamischer sein als sonst wo in Serbien, aber Hundchen „Autostop“ isst unbeeindruckt ihr Essen. Auf in den Süden!

Posted by team in Caravan, Serbien, Unterwegs
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