Mit dem “Auto-Mobile” nach Belgrad

Dienstagmorgen: 07.30 Uhr. Trotz der kurzen Nacht bin ich früh wach. Es ist schon ziemlich warm und dass hilft mir von dem Wohnwagenbett hoch zu kommen. Schnell dusche ich mich draußen am Stadtstrand und mache mir danach einen starken Kaffee mit der Gasflamme Espressomaschine. Gleich werden Cordula und Jens mit der Kamera kommen. Wir trinken grade unseren Kaffee auf dem Parkplatz im Schatten der hohen Bäume, als unsere neuen deutschen Freunde in ihrem Mietwagen –ohne Zughaken – ankommen. Dragan, Biljanas Bruder, hat angeboten uns mit dem Wohnwagen bis zur ersten Tankstelle Richtung Autoweg zu fahren. Es hat sich herausgestellt dass das Wohnwagentrampen aus dem Stadtzentrum heraus praktisch unmöglich ist.
Heute werden Cordula und Jens uns für das VOX Programm „Auto Mobil“ folgen. Es wird eine lange Reportage für das deutsch National Fernsehen. Sie merken schnell wie es ist Zughaken fokussiert zu sein, besser bekannt als „Auto-Arsch-Gucken“. Nur die Autofahrer mit Zughaken sprechen wir an. Wie wir mittlerweile wissen, kann es lange dauern bis man eine Trampfahrt bekommt. Das Thermometer an der Tankstelle zeigt 38 Grad, die Sonne brennt am Himmel. Dachs liegt hechelnd unter einem Baum neben ihrem Wassertrog, Zunge aus der Schnauze. Peter und ich lösen uns im trampen ab und wechseln den Pappkarton mit “Auto-kuka? Beograd?“. Stehend zwischen den Zapfsäulen spiele ich Gitarre und zwischen dem Lärm und den Abgasen des Verkehrs schreibe ich was an meinen Blog.
Es ist bemerkenswert, dass hier im Balkan noch so viele alte Autos rumfahren. Automarken die man schon fast vergessen hat. Erstaunt sehe ich ein richtiges Fahrrad mit einer vollgeladenen Karre über den Haltestreifen rauschen. Ein Zigeunerjunge kommt ebenfalls an mit seinem Fahrrad um mit der Luftpumpe ein altes Gummikinderschwimmbad aufzupumpen.
Nach zwei Stunden kann ich von Cordulas Gesicht ablesen dass sie das Warten satt ist und sie wahrscheinlich zweifelt ob wir hier heute noch jemals wegkommen. Peter und ich, durch und durch trainiert im Wohnwagentrampen, haben keinen Zweifel. Dann, nach drei und halb Stunden fleißiger Arbeit, hat Peter Glück. Dragan Latinovic kuppelt uns an seinen blauen Renault 4 an. Der Renault 4 sieht aus als würde er gleich auseinander fallen. Peter setzt sich vorne ins Auto, Dachs und ich hinten. Die Hintersitze sind entfernt, darum sitze ich also auf dem Gastank.
Dragan versucht mit Händen und Füssen deutlich zu machen nicht im Auto zu rauchen. Das ganze Auto riecht nach einen fossilen Brennstoff. Dass auch dieser Wagen keinen elektrischen Anschluss hat für die Lichter des Wohnwagens ist auch diesmal kein Grund uns nicht mit zu nehmen. Über den Anschluss gesprochen: das Starten des Autos wird nicht mit einer Schlüssel gemacht, sondern mit den zwei Enden der Drähte. Unterwegs versucht Dragan enthusiast auf Englisch zu erklären dass er das Auto für 150 Euro gekauft hat. Auch zeigt er uns seinen Führerschein, was eine Beruhigung ist.
Während der Fahrt passe ich auf ob der Wohnwagen noch hinten an den rostigen Renault angekuppelt ist. Zum Glück ist diese Fahrt nur kurz. Wir erreichen die nächste Tankstelle auf der E75. Dort warten wir wieder eine Weile, denn heute ist nicht so viel Verkehr. Hier können wir uns aber zum Mittagessen im Schatten eines wunderschönen Ginkobaums setzen. Cordula und Jens spüren jetzt auch nach der spannenden Renault 4-Fahrt – mit supersonische innenbord Kamera – den Spaß des Wohnwagenabenteuers. Noch 80 Kilometer bis Belgrad: wie lange werden wir jetzt auf eine Fahrt warten?
So gegen fünf Uhr fahren die serbischen Lkw-Fahrer Miki und Dimitri an der Tankstelle vorbei. Sie sind mit einer Ladung Medikamente von Utrecht über Berlin nach Belgrad unterwegs. Wieder kommunizieren wir mit Händen und Füßen. Leider haben auch sie keine elektrische Kupplung für die Lichter des Wohnwagens hinter ihrem Truck. Sie lachen aber sehr freundlich und nicken viel. Nachdem wir ihnen eine Zughakenschale und Utrecht-Cap geschenkt haben, laden sie uns zu einem Drink ein. Ich hole meine Gitarre hervor und singe ‚Unterwegs’. Nach dem letzte Akkord machen Miki und Dimitri deutlich: Ankuppeln! Toll, mit dem Wohnwagen hinter einem Truck! Dies ist eine Premiere!
Wegen der Hände und Füße Kommunikation ist es nicht gleich klar wo sie uns hinfahren werden. Wir halten an einer Tankstelle nicht weit von der Hauptstadt Serbiens. Unterwegs hat Miki hin und her telefoniert und jetzt stellt sich heraus dass er seinen Schwiegersohn Slobodan Arsic angerufen hat. Slobodan spricht gut English und ist extra für uns hierher gefahren um zu übersetzen. Vor der deutschen Kamera erklärt Slobodan das Miki und Dimitri unser Projekt sehr sympathisch finden und darum haben sie den Auftrag ihres Chefs missachtet. That’s the spirit!
Abends steht unser Wohnwagen vor dem Sava Center im neuen Teil der Stadt. Später sitzen wir mit Cordula und Jens an einem Tisch im Zentrum. Große Portionen, müde aber froh. Was für ein Trip!
Impressionen dieser Tag sind in zwei Monaten auf dem deutsche National Fernsehen zu sehen: Auto Mobil auf VOX. Behalte diese Website im Auge für neue Links.
Utrecht