Start des zweiten Teils: von Pécs nach Udvar
Im Schatten großer Linden steht auf einem einfachen Parkplatz ein blau-grüner niederländischer Wohnwagen, ohne Auto. Ein Spielplatz mit robustem Holzspielzeug, ein paar Häuser von Mauern umringt und dahinter Felder mit Sommerpflanzen. Vögel zwitschern, Grillen zirpen. Die Sonne scheint kräftig, die Luft ist warm und schwül.
Nur eine lange Straße mit freistehenden Häusern, eine Kirche, ein Gemeinschaftshaus und eine Tankstelle, die auch als Supermarkt dient, formt das Dorf Udvar. Wenn du nicht besser wüsstest, könnte es wie ein kleines französisches Bauerndorf erscheinen, aber wir stehen zweihundert Meter von der ungarisch-kroatischen Grenze, also auch vor der Außengrenze der Europäischen Union. Ein hoher Wachturm, eine Zollstation mit ungarischen und kroatischen Zollbeamten und eine Kilometer lange Schlange stillstehender Lkws; dass alles ruft alte „Grenz-Gefühle“ hervor, Gefühle älter als der Europäische Schengen Vertrag.
Jan Kennis, (Niederländischer Kultur Attaché in Ungarn) hat uns gestern bis hierher gefahren. Zuvor waren wir festlich ausgewinkt worden vom Flying Grass Carpet (der rum fliegende Stadtpark) von fünfzig Kindern, Lehrern, ein paar Journalisten und Agnes Simon, ein Official der Organisation Pécs 2010. Unterwegs habe ich die ungarische Bauernlandschaft genossen. Viel Mais- und Kornfelder und, wie in Limburg (Süd-Holland), viel Christuskreuze am Wegrand, Bauernhäuser und verlassene Tankstellen. Kurz und gut; ein wunderschönes Ferienland. Nach der Fahrt haben wir zusammen mit Jan sein Vorhaben eingedost. Das Vorhaben ist, vor Juni 2016 in einem historischen ungarischen Dorf, eine alte Wassermühle in altem Glanz wieder herzustellen.
Kochen auf dem Gasherd im Wohnwagen und diese Mahlzeit unter einem klaren Sternenhimmel aufzuessen, gibt diesem Start des zweiten Teils eine besonders ferienartige Atmosphäre. Aber die Arbeit ruft. Heute schon wieder eine Grenze überschritten, von Europa in den Balkan. Spannend. Gespannt auch, wie wir diesen Wohnwagen über die Grenze kriegen, vielleicht wird es ja ein Schieben!
Utrecht